In Albert Wohlstetters Publikation "The delicate Balance of Terror" von 1958 wird vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Verteidigungspolitik die Rolle der Stabilität der thermonuklearen Balance untersucht. Der Politikwissenschaftler diskutiert die Notwendigkeit dieser Balance einerseits als fragwürdig und riskant, andererseits aber auch als geeignetes Mittel zur Abschreckung.
Die Malerin Maja Rohwetter und der Bildhauer Knut Eckstein beziehen sich in diesem Sinne auf eine Art des Terrors, der eine anhaltende Belastung beinhaltet - hierbei wird eine instabile und unsichere Situation erzeugt - eine empfindliche Balance. Die Bedingungen für diese Art des Terrors können gesellschaftspolitischen wie psychosozialen Ursprungs sein.
Knut Eckstein baut aus teilweise gefundenen "armen" Materialien wie Pappkartons, Plastikflaschen, Verpackungen aller Art, Schnüren und Holzresten Objekte und Installationen, die oft unerreichbar hoch, an Decken, in Ecken, über Schränken angebracht sind oder auf labilen Konstruktionen lagern. Diese Reste der Konsumgesellschaft werden oft brutal und nachlässig behandelt, stellenweise bemalt, umgeformt, verschnürt und von Zeichnungen oder Texten kommentiert - sie stellen in ihrer fragmentarisierten und rekombinierten Form nicht nur die Frage nach der bildhauerischen Ausdrucksmöglichkeit, sondern auch nach dem sozialen und politischen Zusammenhang.
Maja Rohwetter malt Räume und Szenarien, die sich aus bekannten Elementen der realen Welt und konstruierten Elementen der virtuellen Welt zusammensetzen. Die Bildelemente oszillieren dabei zwischen Architektur- und Naturfragmenten, Strukturen aus Computerspielen und abstrakten Farbschlieren- und Flecken, die einer Bewegungsunschärfe entstammen können, einem Fehler des Programms, einer Übergangszone, einer Sollbruchstelle der Realitätsebenen. Die Wahrnehmung wird verunsichert und wir versuchen im Kopf ein Gesamtbild aus den malerischen Häppchen zu entwickeln - das Ergebnis könnte lauten: "Schwebende Farbknödel mit unregelmässig tektonischer Form vor romantisch-apokalyptischem Himmel" - oder, in der Version der Künstlerin: "agglomerated disbelief".
Für die Ausstellung haben beide Künstler neue Arbeiten entwickelt, die sich mit instabilen und unsicheren Situationen auseinandersetzen, mit zerbrechlichen, bedrohlichen und provisorischen Systemem als Teil unseres Alltags. Teilaspekte der realen Welt verbinden sich mit Strukturen der virtuellen Welt und der künstlerisch gestalteten Welt zu einem Agglomerat poetischer Absurdität vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Lebenswirklichkeit. [Gabriele Künne, 2013]